Werkzeuge statt Bibel
Roy Peter Clark ist einer Vizedirektor einer der
renommiertesten Journalistenschulen der Welt, dem Poynter Institut in St.
Petersburg, Florida. Er will keine Schreibregeln lehren, er will dem Leser
Werkzeuge an die Hand geben, Werkzeuge, die es ihm erlauben, besser, packender,
spannender zu schreiben. Fünfzig Werkzeuge stellt er uns vor, beginnt mit dem
allereinfachsten, der Reihenfolge von Subjekt, Prädikat und Nebensächlichem und
hütet sich, zu sagen: Tu dies, vermeide jenes. Natürlich sagt auch er, dass
aktiv schreiben gut ist – aber nicht immer. Denn manchmal muss man passiv
schreiben, was nicht inaktiv heißt.
Wer die unzähligen Schreibratgeber kennt, die ihren Lesern
einen bestimmten Schreibstil einbläuen wollen, der weiß Clarks Buch zu
schätzen. Clark sagt nicht, wie wir schreiben sollen, sondern welche Folgen die
einzelnen Arten haben. Passivkonstruktionen wirken anders als aktives
Schreiben, ist deswegen meist nicht so angebracht, hat aber dennoch seinen
Platz und ist bei bestimmten Problemen das Werkzeug der Wahl.
Beispiele statt Behauptungen
Doch das Buch beschränkt sich nicht auf Werkzeuge des Stils,
auch nicht auf journalistisches Schreiben. Wie findet man konkrete Bilder, wann
sind abstrakte Gedanken dann doch angesagt, wie plant man, wann ist Zurückhaltung
angebracht, wann Übertreibung?
Jedes dieser Werkzeuge wird kurz dargestellt, jedes mit
Beispielen und so anschaulich, dass oft schon die Beispiele klarstellen, was
Clark meint. Im Kapitel „Kürzen“ stellt er sogar das Kapitel in der Erstfassung
vor und zeigt uns, wie Kürzen funktioniert – und dass auch Profis in der ersten
Fassung langatmig schreiben.
Was mancher schon vermutet hat, aber nie erklären konnte,
begründet er kurz, knapp und sorgt so für reichlich Aha-Effekte.
Ein Standardwerk: Kurz, knapp und klar
Einziges Manko: Die Kapitel sind so kurz und so klar
formuliert, das Ganze so überzeugend formuliert, dass die Gefahr besteht, dass
man es einfach herunterliest. Weswegen ich nur empfehlen kann, die Übungen am
Ende jedes Kapitels nicht zu überspringen.
Jedenfalls ist es ein Buch, das neben Elisabeth Georges
„Wort für Wort“ und Sol Steins „Über das Schreiben“ auf jedes Bücherbord eines
Autors gehört. Eigentlich auf das Bücherbord eines jeden Menschen, der
schreibt.
Autorenhomepage:
http://groups.poynter.org/members/?id=4570188
Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben, Schreibratgeber, Roy
Peter Clark, Autorenhaus, Dezember 2008
Originaltitel: Writing Tools, aus dem Amerikanischen von
Kerstin Winter
ISBN-13: 978-3866710313, gebunden, 350 Seiten, Euro 19,80