Wie laufen unsere Werkstätten ab?
Unsere Werkstätten sind so aufgebaut, dass ihr einen TeXt mit mehreren kleinen Fragen erhaltet, die ihr nacheinander bearbeiten sollt. Druckt also den Text aus, lest ihn aber nicht auf einmal, sondern bearbeitet zunächst die erste Frage, dann lest die zweite, bearbeitet diese und so fort. Wir möchte nämlich verhindern, dass ihr von Anfang an auf ein bestimmtes Ziel hinarbeitet.
Manche Fragen zielen nicht direkt darauf ab, fertige TeXte zu schreiben, sondern die Struktur hinter den TeXten deutlich zu machen. Folglich müsst ihr euch dabei nicht bemühen, perfekte, schon gar nicht stilistisch perfekte TeXte zu schreiben. Versucht einfach, eine Frage abzuarbeiten, so gut ihr könnt und wenn euch nichts mehr einfällt, geht zur nächsten Frage über und stelllt eure Antwort zur Diskussion.
"Der erste Entwurf ist immer Scheiße", wusste schon Hemingway. Also lasst euch nicht entmutigen, wenn euch euer TeXt, eure Lösung nicht gefällt. Verbessert sie. Wenn ihr nicht weiterwisst, habt keine Bange, einen Text abzuliefern, der nicht perfekt ist. Wenn ihr Fragen habt, nur zu, schreibt diese auch dazu. Wenn alle Teilnehmer nur perfekte Texte abgeben würden, bräuchten wir keine Schreibwerkstatt. Unser Ziel ist es schließlich, aus unausgegorenen Ideen gute Projekte zu entwickeln.
Natürlich sind Rückmeldungen jederzeit willkommen. Sagt uns also, wenn ihr mit einer Übungen Schwierigkeiten habt, wenn euch die Zeit für die Übung nicht ausreicht, aber auch, wenn die Übungen zu einfach sind oder längst Bekanntes wiederkäuen
Die Phönixmethode
Die "Phönix-Methode" hat sich in der Schreibgruppe "Projekt Phönix" bewährt, um Autoren bei langen Geschichten und komplexen Personen weiterzuhelfen und wir werden sie auch im TeXtkrafttraining ausgiebig nutzen. Die Ideen eines Autor werden von den anderen zu Asche verbrannt, damit nur übrigbleibt, was Substanz hat. Und daraus kann der Autor seinen TeXt bauen.
Wenn einer von euch einen Text abschickt, kommt der harte Teil, die Fragen und Anregungen der anderen Teilnehmern. Alles zu fragen, was euch an dem Text eines Autors in den Sinn kommt, schärft auch die Wahrnehmung euren eigenen Texten gegenüber. Also keine Hemmungen, aber denkt daran: Es gibt keine _richtige_ Lösung. Es hat wenig Sinn, einem Autor zu sagen: Das müsstest du so und so machen. Denn welche Geschichte wie erzählt wird, bestimmt einzig und allein der Autor. Und natürlich solltet ihr immer dran denken, dass euer Gegenüber auch bloß ein Mensch ist, ihr sollt ihm sagen, was euch an seinem Text nicht gefällt (und natürlich auch, was euch gefällt), aber immer die Netiquette wahren.
Wenn hier jemand eine Halborkin vorstellt mit einem Orkvater und einer Menschenmutter, hat es wenig Sinn, ihm zu sagen: "Orks und Menschen können sich nicht mischen, weil sie verschiedene Arten sind."
Aber ihr könnt und sollt dem Autor Fragen zu seinem Projekt stellen. Stellt euch vor, ihr habt ein kleines Hämmerchen, mit dem ihr die Lösung eines Autors abklopfen, prüfen könnt, nicht um sie zu zerstören, sondern um festzustellen, wo gibt es Hohlstellen? Wie diese Hohlstellen gefüllt werden, muss der Autor bestimmen. Die Frage "Sind in der Welt deiner Geschichte Menschen und Orks verschiedene Rassen, aber die gleiche Art?" ist so eine Stelle, auf die ihr klopft und die hohl klingt.
Möglicherweise fällt dem Autor ein, "Scheiße nein, die Frau kann keinen Orkvater haben." Dann muss er das ändern. Oder er stellt fest: "Gute Frage, ja, in meiner Welt sind Orks und Menschen nur verschiedene Rassen und es gibt folglich Mischlingen." Auch damit legt der Autor sich bezüglich seiner Geschichte fest und das führt dazu, dass die Figur "runder" wird.
Natürlich sind auch Anmerkungen und Vorschläge erlaubt und erwünscht: "Könnte deine Heldin nicht eine Orkin sein, die von den Orks verstoßen wurde? Dann wären trotzdem Orks und Menschen verschiedene Arten." Überhaupt sind Fragen der Art: "Was wäre, wenn", "Könnte es sein, dass" höchst erwünscht und willkommen. Und natürlich werden auch wir Moderatoren nicht mit solchen Fragen geizen und Kommentare zu euren Projektenn wie auch zu den Vorschlägen der anderen abgeben.
Welche Antworten auf Fragen, Anregungen und Vorschläge der Autor gibt, was er daraus macht, das liegt in seiner Wahl. Aber er sollte im eigenen Interesse Antworten geben, denn er wird feststellen, dass er damit überraschende Dinge über seine Person und deren Geschichte lernen wird.
Eines werdet ihr bald feststellen. So ein "Verhör" ist für den Autor Stress pur. "Verdammt, die machen meine Geschichte kaputt, warum wollen die soviel von mir wissen?". In aller Regel haben die anderen das Gefühlt, dass der Autor - vor allem beim ersten Verhör - sehr unwillig reagiert und man ihm alles aus der Nase ziehen muss. Schließlich ist es schmerzhaft, wenn andere grade in den Schwachstellen herumstochern und manchem werden die Frager zeitweilig so sympathisch sein wie ein Schwarm wildgewordener Moskitos. Stellt euch darauf ein, nehmt das nicht persönlich, diese Reaktion ist völlig normal und geht vorbei wie die Windpocken. Der Bau einer Geschichte ist nun mal auch Knochenarbeit.
Regeln des kreativen Schreibens
Viele bezweifeln es, aber es gibt tatsächlich Schreibregeln, die sich bewährt haben. Nicht wir haben sie aufgestellt, es sind Regeln, die sich in der Vergangenheit bewährt haben und einige lassen sich bis zu Aristoteles zurückverfolgen.
Jeder Autor kann diese Regeln brechen, ohne befürchten zu müssen, dass die Schreibpolizei deswegen seine Texte beschlagnahmt. Aber ein Autor sollte wissen, was er damit tut.
Schreibregeln sind Wegweiser. Natürlich muss man sich nicht danach richten und natürlich gibt es nicht nur bei Karl May Geier, die Wegweiser aufstellen, die in die Irre führen.
Aber man muss das Rad nicht ständig neu erfinden und wenn es zwischen Basel und Mailand eine Straße gibt, ist die Reise erheblich einfacher, als wenn man den (nicht markierten) Weg über die Eigernordwand wählt. Was nicht heißt, dass das nicht möglich wäre. Genügend Leute haben die Eigerroute gewählt, einige haben es geschafft, andere sind abgestürzt. Dieser Weg ist schwieriger, gefährlicher und verlangt mehr Können, als der Wanderpfad über den Gotthard. Auch der ist nicht einfach.
So und nicht anders ist es mit den berüchtigten Schreibregeln. Einige werden wir zitieren und ihr wisst jetzt, was ihr davon zu halten habt. Niemand zwingt euch, sie zu beherzigen. Aber wenn ihr sie nicht beherzigt, solltet ihr wissen, was ihr tut und warum.
Formales Vorgehen
Zu Beginn wird das erste Thema gepostet. In der Regel habt ihr eine Woche Zeit, es zu bearbeiten und wir nennen einen Termin, ab dem eure Texte gemailt werden können. Damit ihr nicht in Mails erstickt, werden nicht alle gleichzeitig diskutiert, sondern für jeden Text 2-3 Tage reserviert. Manchmal reicht diese Zeit nicht, so dass auch später noch Kommentare zu einem anderen Text kommen, manchmal ist auch der eine oder andere verhindert und kann seine Kommentare erst später nachholen. Vergesst deshalb nicht, im Betrifft anzugeben, auf welchen Text sich eure Kommentare bezieht.
Diese Vorgehensweise hat sich bewährt, weil dadurch ein enspannteres Arbeiten möglich ist, weil nicht alle über alles gleichzeitig diskutieren und weil es weiter nicht schlimm ist, wenn jemand mal seinen Text später einreicht (er kommt dann eben auch später in der Diskussion dran).
Normalerweise wird in der Reihenfolge besprochen, in der gepostet wurde, aber wenn jemand an bestimmten Tagen nicht kann, sollte er das gleich zusammen mit dem Text mailen. Dann können wir die Reihenfolge entsprechend organisieren und diese Reihenfolge wird euch natürlich auch bekannt gegeben.