Zu glauben, das Talent fiele vom Himmel, ist leider ein Irrglaube

Interview mit Klaus N. Frick, Cheflektor von Perry Rhodan

 

Hans Peter Roentgen: Klaus Frick, du bist Chefredakteur bei Perry Rhodan. Wie kommt Perry Rhodan eigentlich an neue Autoren? Durch unverlangt eingesandte Manuskripte? Durch Empfehlungen anderer Autoren? Geht Ihr die Listen der Literaturpreise durch?

Klaus N. Frick: Wir schauen uns natürlich sehr genau an, was sich derzeit auf dem überschaubaren Markt der deutschsprachigen Science Fiction tut. Durch die jahrelange Tätigkeit in diesem Bereich kenne ich natürlich auch viele Autoren persönlich. Und wenn sich dann die Möglichkeit, einen Autoren ins Team zu holen, der aus verschiedenen Gründen zu uns paßt, dann sprechen wir mit ihm ... Die Listen der Literaturpreise gehen wir ganz bestimmt nicht durch, während wir beispielsweise die Empfehlungen der bereits im Team schreibenden Autoren sehr ernst nehmen. Und eingesandte Manuskripte ... die werden in der Tat unter anderem darauf geprüft, ob der potentielle Autor für uns "tauglich" wäre.

 

Hans Peter Roentgen: Was ist der sinnvollste Weg, wenn jemand für Perry Rhodan einen Roman schreiben möchte? Sollte er, wie bei anderen Verlagen einen fertigen Text haben und euch zu schicken? Oder sollte man erst ein Konzept formulieren mit einem Beispieltext? Werden Texte nur nach Auftrag geschrieben, sprich, der Autor muss sich an ein vorgegebenes Expose halten?

Klaus N. Frick: Da PERRY RHODAN in Form einer Fortsetzungsgeschichte gestaltet ist, kann sich praktisch niemand bei uns "bewerben"; die Autoren schreiben im allgemeinen nach einem vorgegebenen Exposé. Dabei haben sie allerdings sehr große Einflußmöglichkeiten.

 

Hans Peter Roentgen: Macht es überhaupt Sinn, an Perry Rhodan einen Science Fiction zu senden, der nicht im Perry Rhodan Universum spielt?

Klaus N. Frick: Wir schauen uns in der Redaktion natürlich alle eingesandten Manuskripte an. Wir schicken sie natürlich dann zurück, weil sie ja nicht in die PERRY RHODAN-Serie passen. Falls aber wirklich einmal ein Talent dabei wäre, würden wir den Autor sicher fragen, ob er nicht für uns an einem anderen Projekt mitarbeiten will. Das Enttäuschende für mich nach all den Jahren: Die Zahl der neuen Talente ist extrem überschaubar; was beispielsweise in den letzten zwölf Monaten eintraf, war zu hundert Prozent unbrauchbar, weil handwerklich einfach zu schlecht.

 

Hans Peter Roentgen: Bietet ihr auch ein Forum für Kurzgeschichten oder befasst ihr euch nur mit Romanen?

Klaus N. Frick: Derzeit drucken wir keine Kurzgeschichten. Alle paar Jahre veranstalten wir allerdings Ausschreibungen für Kurzgeschichten, die bei einer Veröffentlichung dann auch honoriert werden. Das sehe ich als direkte Autorenförderung an.

 

Hans Peter Roentgen: Wie schwierig ist es, für Perry Rhodan zu schreiben? Welche handwerklichen Fähigkeiten sind deiner Meinung nach dabei die wichtigsten?

Klaus N. Frick: Der Autor muß neben der Gabe der Fantasie, die man für Science Fiction braucht, auch noch mit viel Disziplin gesegnet sein: Immerhin müssen die Romane termingerecht erscheinen und so geschrieben sein, daß sie das Gesamtkonstrukt der Serie nicht durcheinander bringen. Das erscheint Außenstehenden häufig einfach zu sein, ist in Wirklichkeit gerade für kreative Autoren manchmal ganz schön hart.

 

Hans Peter Roentgen: Wenn ein Text angenommen wird, wie viel Arbeit steht dann für Autor und Lektor noch ins Haus? Oder nimmst Du nur Texte, die so, wie sie sind, in Druck gehen können?

Klaus N. Frick: Jeder Roman, der eingeht, wird eingehend geprüft. Gelegentlich kommt es an, daß ein Roman zur Bearbeitung zurückgeht oder ich vom Autor eine Bearbeitung bestimmter Szenen verlange. Wenn der Roman angenommen worden ist, wird ein Vertrag ausgestellt und auch prompt bezahlt. Der Roman geht zur zusätzlichen Prüfung an einen Ko-Leser außerhalb unserer Redaktion, der ihn unvorbereitet liest - er kennt also nicht die ganzen Vorbesprechungen, liest nur den reinen Roman. Mit Hilfe dessen Anmerkungen und meiner Notizen redigiere ich dann den Roman. Wieviel da zu machen ist, hängt einfach vom Roman selbst ab. Es geht auf jeden Fall kein Text so in Druck, wie er bei uns in der Redaktion eintrifft; das ist bei einem derart komplexen Gebilde wie der PERRY RHODAN-Serie auch nicht möglich.

 

Hans Peter Roentgen: Wer gerne Fußball spielt, fängt vielleicht in der Kreisklasse an, besucht Trainingslager, spielt irgendwann in der Landesliga und hofft, dass er, wenn er intensiv genug trainiert und genügend Talent hat, einmal in der Bundesliga landen wird. Beim Schreiben gibt es diese Hierarchie nicht, da wollen alle gleich veröffentlichen. Glaubst Du, in den USA ist dies anders? Gibt es dort wegen der vielen creative-writing Seminare eher die Möglichkeit, durch entsprechendes Training langsam immer besser zu werden?

Klaus N. Frick: Ganz klare Antwort: ja. In Deutschland glauben die meisten Autoren offensichtlich, sie bräuchten nur ein irgendwie vorhandenenes Talent, und dann würde es von selbst gehen. Der Deutsch-Unterricht und die allgemeine Literaturförderung unterstützen diese fatale Denke leider. Die Folge ist eine zunehmende Amerikanisierung unserer Literatur; die deutschsprachige Unterhaltungsliteratur hinkt in punkto Auflagenzahl meilenweit hinter den Übersetzungen amerikanischer Autoren nach. Weil diese einfach besser zu erzählen wissen, so einfach ist das ...

 

Hans Peter Roentgen: Bertelsmann hat in München eine Schreibwerkstatt. Du machst ebenfalls Seminare, unter anderen für die Bundesakademie für kulturelle Bildung (www.bundesakademie.de). Gehört das zu deinem Job bei Perry Rhodan, oder tust du das privat? Hat Pabel-Moewig, zu dem Perry Rhodan gehört, Ambitionen ähnlich Bertelsmann?

Klaus N. Frick: Die Bertelsmann-Schreibwerkstatt ist nicht einmal andeutungsweise mit den Seminare in Wolfenbüttel zu vergleichen: Während es bei Bertelsmann wirklich darum geht, in einem fortzusetzenden Prozeß die potentiellen Bestseller-Autoren herauszubilden, geht es in Wolfenbüttel darum, gerade "Amateuren" weiterzuhelfen. Die Seminare in Wolfenbüttel, bei denen ich immer einer von zwei Dozenten bin, sind gewissermaßen mein Privatvergnügen, wobei PERRY RHODAN natürlich stets davon profitiert - ich selbst lerne jedesmal sehr viel davon, und wir haben darüber schon manchmal profitieren können. Frank Borsch beispielsweise, dessen Buch "Fleisch der Erinnerung" demnächst bei uns erscheint, habe ich in Wolfenbüttel erst kennengelernt. Dieselben Ambitionen wie die "Bertelsmänner" verfolgen wir damit aber wirklich nicht.

 

Hans Peter Roentgen: Was können Schreibworkshops nützen? Kann man dort schreiben lernen oder verbessern? Nützen Bücher über das Schreiben, Zweitausendeins hat ja mittlerweile eine ganze Reihe davon?

Klaus N. Frick: Solche Bücher und Schreibseminare nützen sehr viel, finde ich. Viel wichtiger ist allerdings Schreiben-Schreiben-Schreiben. Zu glauben, das Talent fiele vom Himmel, ist leider ein Irrglaube. Wobei es ohne Talent natürlich nicht geht.

 

Hans Peter Roentgen: Kanntest Du den Tempest-Newsletter vor diesem Interview?

Klaus N. Frick: Natürlich. Ich lese ihn regelmäßig und empfehle ihn auch allen Neuautoren weiter - gerade bei den Seminaren in Wolfenbüttel.

 

Hans Peter Roentgen: Eines Nachts wachst du auf, eine wunderschöne Fee im Raumanzug steht neben deinem Bett und sagt: "Lieber Klaus Frick, du hast dich so unermüdlich für Perry Rhodan eingesetzt, du hast einen Wunsch frei, der dir erfüllt werden wird." Was wünscht Klaus Frick sich von Perry Rhodan?

Klaus N. Frick: Das ist Privatsache.

 

Hans Peter Roentgen: Herzlichen Dank für das Gespräch

 

Das Interview erschien in dem Autorenmagazin tempest

 

 

 

 

 

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