Coaching: Ich bin sehr angetan von der Betreuung
Man könnte diesen kurzen Text überschreiben mit “Ein kleiner Erfahrungsbericht aus den Leidenstagen eines Schriftstellers”. Oder besser angehenden Schriftstellers, denn genau das war eines meiner Probleme – ich saß an meinem ersten Roman. An für sich war ich schon weit gekommen, ich hatte bis auf das letzte Kapitel fast schon alles stehen, ich hatte eine Verlagszusage, ich hatte eine runde Story – aber ich hatte viel zu viel.
Also war es das Hauptanliegen der Zusammenarbeit, das Manuskript zu kürzen und es in eine Form zu bringen, die immer noch meine Handschrift trug und mit der ich leben konnte.
Nachdem ich den Text (als Ausdruck und Diskette) übergeben hatte, ging es sofort los. Mareen schickte mir noch am selben Tag die überarbeiteten Häppchen von 10 bis 20 Manuskriptseiten zu. Dabei gab es für jedes Stück zwei Versionen: einmal meinen eigenen Text mit farbig markierten Korrekturen und erklärenden Anmerkungen (etwa: “Hier wechselst du die Perspektive”) und zum zweiten eine Datei, in der diese bereits in den Text eingearbeitet waren. So konnte ich selbst an meiner Fassung sehen, wo sie Eingriffe und Streichungen vorgenommen hatte, und mir gleichzeitig sofort ein Bild davon machen, wie der Text am Ende aussehen würde.
Mareens Veränderungen waren dabei die ganze Zeit über in Einklang mit meinem persönlichen Stil. Nachdem ich das erste (korrigierte) Kapitel gelesen hatte, war ich überrascht, wie viel man aus dem eigentlich fertiggestellten Text herausnehmen konnte, ohne ihn in Sinn und Klang zu verändern.
Wann immer es nötig war, gab es eine Erläuterung per E-Mail, so etwa, als ich in mehreren Szenen verschiedene Perspektiven durchmischte; hier zeigte sie mir verschiedene Alternativen auf, die wir diskutierten. Auf Fragen meinerseits wurde umgehend geantwortet. Schwerwiegendere Probleme haben wir am Telefon besprochen, so dass an dem Roman nichts Größeres verändert wurde, ohne dass ich mich vorher mit dem Problem auseinandersetzen und dem zustimmen konnte.
Am Ende sind aus fast 720.000 Zeichen etwa 590.000 geworden, ohne gravierende Einschnitte in den Handlungsplot (und alles innerhalb meiner viel zu knappen Deadline!). In einem zweiten Korrektorat gehen wir nun das Manuskript noch einmal durch und bringen die Feinkorrekturen an, auch werden unnötige Verweise rausgenommen und noch zwei Szenen eingesetzt (es gibt ja immer wieder Szenen/ -details, die eigentlich unnötig sind, an denen man aber sehr hängt). Diese zweite Version werden wir erneut durchsprechen und eventuelle Probleme lösen, ehe der Roman zum Verlag geht.
Es bleibt noch, ein kurzes Fazit zu ziehen. Ich bin sehr angetan von der Betreuung, die mich ein gutes Stück vorangebracht hat. Die Erläuterungen und Diskussionen waren immer ausgesprochen freundlich und offen, die Kritik konstruktiv (so etwa die berühmt-berüchtigten “Lieblingswörter, die man streichen sollte”). Viele Fehler, auf die ich hier noch aufmerksam gemacht werden musste, werde ich in Zukunft sicher vermeiden können – “learning by doing” - und sehe schon mit Spannung dem nächsten Projekt entgegen.
Heike